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Markenführung im M&A-Zyklus: Was vor, während und nach dem Deal wirklich wirkt.

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Patrick Wachner
Managing Partner
Die meisten Unternehmen behandeln Marke im M&A-Prozess wie ein Ereignis am Signing-Tag – etwas, das man "irgendwie löst, notfalls mit einer Unterzeile", sobald der juristische Teil erledigt ist. Dabei wirkt Marke an beiden Enden des Prozesses am stärksten: bei der Frage, warum ein Unternehmen überhaupt kaufenswert ist – und bei der Frage, ob das, wofür man bezahlt hat, hinterher auch real wird. Dazwischen entscheidet sie über Struktur, Optionen und Kosten.

Fünf Ebenen zeigen, wie Markenführung entlang des gesamten M&A-Lebenszyklus wirkt – nicht als Randnotiz, sondern als einer der wenigen Hebel, der vor, während und nach dem Deal gleichermaßen greift.

1. Vor dem Deal — Das Zielbild setzen

Bevor ein Deal verhandelt wird, entscheidet sich seine Attraktivität an einer viel früheren Stelle: der Marktposition. Ein Unternehmen mit unscharfer Positionierung, austauschbarem Angebot und unklarer Differenzierung wird nicht als strategisches Asset wahrgenommen, sondern als Commodity – mit entsprechendem Abschlag auf den Preis.

Eine klar geführte Markenarchitektur macht eine übergreifende Wertschöpfung und geistiges Eigentum sichtbar, grenzt vom Wettbewerb ab und kann – konsequent gedacht – ein geschlossenes Ökosystem als Markteintrittsbarriere aufbauen. Genau hier liegt der Unterschied zur klassischen M&A-Literatur, die Marke fast ausschließlich als Aufgabe nach dem Signing behandelt: Wer Markenarchitektur von Anfang an vorwärtsgerichtet baut, schafft damit erst den Grund, warum jemand investieren will.
Ein Unternehmen wird nicht attraktiv, weil es viel kann. Es wird attraktiv, weil man sofort versteht, worin es besser ist als alle anderen.
Patrick Wachner
Founder & Managing Partner
Best Practice bei RAITH

Bei RAITH wurde die Markenarchitektur genutzt, um die technologische Führungsrolle strategisch zu stärken und zugleich die Zukunftsfähigkeit der Marke zu unterstreichen. Durch eine harmonisierte Produktnomenklatur und die Einführung eigenständiger Technologiebrands wurde das Portfolio systematisch strukturiert – und das geistige Eigentum (IP) von RAITH sichtbar und differenzierbar gemacht. Gleichzeitig spiegelt die neue Architektur die digitale Kompetenz des Unternehmens wider: RAITH erweitert sein Angebot gezielt um proprietäre Nano-Engineering-Software und stärkt damit seine Position als integrierter Lösungsanbieter für Hard- und Software im Nanotechnologie-Umfeld. Die klare Markenlogik schafft Orientierung, fördert die Wahrnehmung von Innovationskraft und trägt messbar zur Markenwertsteigerung bei.

2. Portfoliooptimierung — Bewertung und Monetarisierung
Ein gewachsenes, unstrukturiertes Marken- und Angebotsportfolio ist für Käufer ein Warnsignal. Es signalisiert fehlende Führung, unklare Verantwortlichkeiten und ungenutztes Potenzial – und wird entsprechend bewertet. Ein sauber strukturiertes Portfolio dagegen zeigt eine nachvollziehbare Wachstumslogik und wirkt sich direkt auf den Multiple aus.

In der Praxis lohnt sich hier eine Prüfung entlang zweier Kriteriengruppen:

Harte Kriterien: objektiv feststellbar, meist juristisch/strategisch geprägt:

  • Besitzverhältnisse und Markenrechte

  • Rechtliche Situation (Lizenzen, Schutzrechte, Altlasten)

  • Strategische Vorgaben, etwa geplante Devestitionen oder Portfoliomanagement-Entscheidungen

Weiche Kriterien: erfordern professionelle Einschätzung, bei Bedarf gestützt durch Studien:

  • Imagetransfer – positiv wie negativ

  • Value-at-Risk, insbesondere bei Kunden, Marktanteilen und Mitarbeitenden

  • Markenstärke und wirtschaftliche Substanz der Marke

Best Practice bei TEG (Tomorrow Education Group)

Für die Tomorrow Education Group wurde die Markenarchitektur so gestaltet, dass sie das Multi-Brand-Portfolio strategisch lenkt und gleichzeitig Branchenspezialisierung sichtbar macht. Die Marken wurden in Practice Groups gebündelt und entlang zentraler Megatrends ausgerichtet – wodurch der gesamte Markenverbund eine kohärente Identität erhält. Aus Investorensicht entsteht so ein System mit klarer Steuerung, wirtschaftlicher Logik und einem nachvollziehbaren Wachstumsszenario.

3. Exit-Optionen — Carve-Out-Fähigkeit
Wie leicht sich ein Geschäftsbereich später separat verkaufen, abspalten oder in einen Continuation Fund überführen lässt, hängt maßgeblich davon ab, wie unabhängig seine Marke von der Kernmarke geführt wird. Eng verwobene Markenstrukturen erschweren Carve-Outs erheblich – und mindern damit den Wert genau der Flexibilität, die institutionelle Investoren zunehmend einfordern.

Gerade bei langen Haltedauern zeigt sich das deutlich: Ein Portfoliounternehmen, das nach Jahren in einen Nachfolgefonds überführt wird, muss seine Marke oft neu denken – nicht weil sie schlecht war, sondern weil sich Marktumfeld und Investitionsthese verändert haben. Wie leicht diese Neuausrichtung gelingt, entscheidet sich schon in der Portfoliostruktur, die in Ebene 2 gelegt wurde.

Welche Ausgangsstruktur überhaupt carve-out-fähig ist, hängt eng mit der grundsätzlichen Markenintegrationsstrategie zusammen: Führt man auf eine dominante Marke hin, verschmilzt man zu einer Hybridmarke, schafft man eine völlig neue – oder ordnet man eine Marke der anderen unter? Jede dieser Optionen hat unterschiedliche Konsequenzen für Risiko, Umstellungskosten und Realisierungsdauer. Diese Entscheidung wirkt weit über den eigentlichen Deal hinaus – sie legt fest, wie viele Optionen ein Unternehmen sich für die Zukunft offenhält.
4. Integrationskosten — Was nach dem juristischen Closing passiert
Der Vertragsabschluss ist nicht das Ende der Arbeit, sondern der Anfang der eigentlichen Herausforderung. Rund drei Viertel aller Mergers und Akquisitionen scheitern – meist an der Integration, nicht am Deal selbst. Markenführung ist dabei kein Nebenschauplatz, sondern eines der wirksamsten Werkzeuge, um diesen Prozess zu beschleunigen oder unnötig zu verlangsamen.

Wie hoch die Integrationskosten ausfallen, hängt direkt von der gewählten Markenstrategie ab. Als grobe Orientierung, wie unterschiedlich sich vier gängige Wege auf Risiko, Wechselkosten und Realisierungsdauer auswirken können:

  • Strategie
  • Risiko
  • Wechselkosten
  • Realisierungsdauer
  • Mitarbeiterintegration


Diese Kosten sind real und messbar – nicht nur in Budgetlinien, sondern in verlorener Zeit, doppelten Strukturen und Reibung zwischen Teams, die eigentlich zusammenarbeiten sollten.

Auf emotionaler Ebene ist jede Konsolidierung bestehender Marken auch mit unbewussten Verlustängsten verbunden – insbesondere für die Teams, deren bisherige Marke im neuen Zielbild aufgeht. Entscheidend ist, alle Beteiligten mitzunehmen und das neue Zielbild so konkret und greifbar wie möglich zu vermitteln. Ein strukturierter Rebranding-Rollout wirkt dabei als Integrationstriebwerk: Er macht die künftige Strategie physisch präsent und emotional erlebbar – und kann so auch andere Integrationsprozesse beschleunigen, von IT über HR bis zum Vertrieb.

Die Identifikation mit dem neuen Zielbild ist der entscheidende Faktor, der über Akzeptanz und erfolgreiche Umsetzung entscheidet.
Patrick Wachner
Founder & Managing Partner
5. Synergie – Zielbild und neue Wertschöpfung
Fazit
Marke ist im M&A-Prozess kein Kostenfaktor, den man dem Marketing überlässt, sobald der juristische Teil erledigt ist. Sie ist der Faktor, der am Anfang die Investitionsthese begründet – und am Ende beweist, ob sie eingelöst wurde. Dazwischen entscheidet sie über Bewertung, über die Flexibilität künftiger Exit-Optionen und über die tatsächlichen Kosten der Integration.

Die zwei Fragen, mit denen dieser Artikel beginnt und endet – *Was macht dieses Unternehmen unterscheidbar?* und *Ist genau das eingetreten?* – sind exakt die Fragen, die eine strukturierte Prüfung der Marke beantworten sollte. Und zwar nicht erst nach dem Closing, sondern von Anfang an.
Brand Due Diligence für M&A-Prozesse

Elevate Partners ergänzt die Commercial Due Diligence um die Markenperspektive: Wo trägt die Marke zum Unternehmenswert bei, wo entstehen Synergien oder Risiken – und wie strategisch tragfähig ist sie im Kontext des Investment-Case?

Die Bewertung erfolgt entlang zweier Ebenen: Strategie & Synergie – Fit zur Investitionsthese, Rolle im Portfolio, Integrations- bzw. Carve-out-Logik – und konkreter Markentechnik, je nach strategischer Ausgangslage (Repositionierung, Markenarchitektur, Konsolidierung, Differenzierung). Harte Faktoren wie Besitzverhältnisse und rechtliche Situation bleiben Teil der klassischen DD-Workstreams und liegen nicht im Fokus dieses Angebots.

Ergebnis: eine Bewertung des Status quo, darauf aufbauende Szenarien und konkrete Handlungsempfehlungen – von der Prüfung des Zielunternehmens bis zur Vorbereitung eines Portfoliounternehmens auf den Exit.

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Patrick Wachner

Founder & Managing Partner

Patrick Wachner ist Managing Partner und Mitbegründer von Elevate. Mit seiner umfassenden Erfahrung im Branding und strategischen Marketing leitet er die Agentur und treibt innovative Projekte voran, die Unternehmen dabei helfen, ihre Markenidentität zu schärfen.